Familie, Leben mit Kindern, Mama

Corona, du alte Nervensäge!

Ja, es ist schön wenn wir alle zusammen sein können und eine Zeit ohne Termine tut gut. Die Sonne scheint und die Luft ist frisch wie sonst nie im Ruhrgebiet, aber…

Das kleine Kind kann die Situation ganz gut verpacken. Kuscheln, spielen, tanzen, spazieren gehen und futtern, dann ist die Welt in Ordnung. Der größere Sohn hingegen vermisst seine Freunde. Ihm fehlt die Schule, die gerade frisch erlernten Abläufe und Strukturen dort, die Toberei auf dem Spielplatz und das Kräftemessen beim Sport. Er ist gerne zuhause, aber so langsam habe ich das Gefühl mit ihm in einem Zoo zu sitzen, aus dem wir nicht ausbrechen können.

Als Lehrerin läuft der Schulalltag auf ganz ungewöhnliche Art und Weise weiter, ich hänge ständig am Handy um Mails zu beantworten oder Anrufe entgegen zu nehmen und obwohl ich präsent bin, bin ich in den Momenten nicht verfügbar. Der Papa ist da, sitzt aber in Videokonferenzen und kann dann, obwohl er doch Zuhause ist, nicht toben oder malen oder, oder, oder…

Die Kinder haben verstanden was Corona ist, verstehen aber, genau wie wir nicht, was das alles bedeutet. Was das für uns bedeutet und dies bereitet Sorgen, Ängste.

Gestern habe ich viel gemeckert, viel zu viel. Überall wurde Chaos veranstaltet, gestritten, gebrüllt…

Gestern Abend habe ich darüber nachgedacht und beschlossen das ich meine Erwartungen einfach runterschrauben muss. Wir sind in einer Ausnahmesituation, wir vermissen all die Dinge die uns sonst den Alltag gestalten, wir wissen nicht was in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten geschehen wird und ich bin manchmal überfordert mit Homeputzing, Essenmakeing, Kinderbespaßing, Hausaufgabenüberwaching und meinem neuen HomeOffice, denn ich kenne all das nicht und wie bitte sollen dann unsere Kinder auf den Wahnsinn reagieren.

Ich habe beschlossen das ich den angestrebten „es ist alles super-Perfektionismus“ ablege und schaue, dass wir Ruhe bewahren.

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Familie, Kind, Leben mit Kindern, Mama

Und plötzlich ist alles anders…

Und da sitzt du in der Sonne, der Frühling ist plötzlich eingezogen, die Vögel zwitschern und nichts ist mehr wie es immer war.

Alltagswahnsinn, Termine, Aufgaben, Zeitdruck… von heute auf morgen ist das alles irgendwie unwichtig. Nein, nicht unwichtig, aber anders…

Es ist komisch, verdammt komisch den Alltag nicht so zu erleben wie sonst. Sorgen spielen mit, Angst, man muss vernünftig sein, immerzu aufpassen. All diese Dinge kennen wir hier nicht. Mussten wir bisher noch zum Glück nie erleben und sie bereiten nicht nur uns Kopfzerbrechen, auch unsere Kinder erleben diese riesige Veränderung.

Man muss Halt geben, eine Basis bilden und ablenken, ermutigen, erklären, bespaßen, aber dabei selbst zum Beispiel auch arbeitstechnisch präsent sein. Ungewohnt und schwierig, aber solange wir uns an ein paar simple Regeln halten, alles durchaus machbar.

Und ganz ehrlich, und das sage ich nicht nur als Mama, sondern auch als Lehrerin, lasst Pläne manchmal Pläne sein. Kuschelt euch zusammen auf die Couch und guckt gemeinsam einen Film oder futtert im Garten ein paar Süßigkeiten, lasst die Vokabeln oder die Kommasetzung mal in der Ecke liegen, sie sind als Ablenkung spitze und generell immer wichtig, aber gerade zählen durchaus auch ganz andere Sachen.

Wenn wir etwas aus dieser Situation so richtig lernen, dann ist es das wir viel mehr wertschätzen müssen, was wir eigentlich besitzen. Wen wir um uns herum haben und wer für uns da ist. Wie selbstverständlich uns doch unser Leben geworden ist und wie schnell sich alles in Luft auflösen kann sehen wir gerade. Wir müssen auch dringend begreifen, dass ein soziales und wertschätzendes Leben nur funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen, wenn man schützt, indem man sich distanziert und das eigene Bedürfnisse einfach mal nicht die wichtigsten sind!

Ich glaube, wenn der ganze Wahnsinn hoffentlich irgendwann ein Ende hat und ich meine Kinder später einmal fragen werde, wie sie die Coronazeit empfunden haben, dann werden sie sagen das es gemütlich war, dass wir viel gekuschelt und gelacht haben, dass wir leckere Sachen gegessen haben und alberne Lieder gesungen haben und das manche Leute verrückt nach Toilettenpapier geworden sind…

Und so soll es sein, so schlimm die ganze Situation auch ist, nehmt den Kindern die Sorgen, wenn ihr könnt!!

Leben mit Kindern

Wie erkläre ich es meinem Kind?

Natürlich passieren tagtäglich schlimme Dinge auf der Welt und natürlich bekommen auch unsere Kindern bewusst einige Dinge mit. Manche mehr, andere weniger.

Wir sehen plötzlich Menschen mit Atemmaske auf der Straße, das verunsichert ganz gewaltig. Gerade dann, wenn man nicht weiß was eigentlich dahinter steckt.

Momentan werden mir viele Fragen gestellt, denn „Corona“ beschäftigt auch meine Kinder.

Zuhause versuchen wir natürlich aufkommende Fragen kindgerecht zu beantworten, ohne irgendwas zu dramatisieren. Ich merke aber auch, dass eine Angst vor dem Unbekannten vorhanden ist. Verständlich wenn plötzlich alle darüber sprechen…

Auf Fragen nicht richtig zu antworten würde ich als falsch empfinden, dies schürt Ängste und lügen werde ich nicht. So denke ich, dass eine altersgerechte Aufklärung absolut sinnvoll.

Meine Kinder hat es etwas tatsächlich gar nicht beruhigt, als ich ihnen erklärt habe, dass die Auswirkungen des Virus eher gefährlich für Menschen mit einem geschwächten Immunsystem ist oder bei älteren Menschen. Aufgrunddessen machten sie sich Sorgen um viele Personen die ihnen wichtig sind.

Vor zwei Wochen habe ich meinen Sohn mittags vom Offenen Ganztag abgeholt und während er seine Schultasche aus dem Klassenraum holte, sah ich Kindern beim wilden Fangenspiel zu. Sie spielten allerdings keine normale Variante dessen, ihre Version war „Coronainfinzierter infiziert Gesunden“ und man musste vor dem „infizierten“ Kind weglaufen… Ein sehr markarberes Spiel, oder?

Wir müssen versuchen zu sensibilisieren, ohne dabei Sorgen zu verursachen, denn mehr können wir momentan nicht machen.

Angst machen ist immer kontraproduktiv. Lieber sollten wir eine vernünftige Anleitung, in kindgerechter Form, zu gängigen Hygienemaßnahmen geben!

Mama

Geburtstag

Vierjährige Damen sind an manchen Tagen nicht zufriedenstellen. Da kann man machen was man will und es entspricht ihren Vorstellungen nicht wirklich. Ehrlich gesagt, es passt ganz und gar nicht und alles endet in einem großen Drama.

Ganz vielleicht aus diesem Grund war ich vor unserem Kindergeburstagswochenende mit anschließenden Übernachtungsgästen tatsächlich etwas aufgeregt. Was ich mir als souveräne Mama natürlich nicht habe anmerken lassen…

Schon vor einiger Zeit haben wir prinzessinentaugliche Deko besorgt, Glitzerelemente für Aktivitäten waren bastelbereit und es wurde gewischt, entstaubt, gebacken, dekoriert und organisiert. Wobei das vermutlich kein einziges Kind interessiert hat.

Ich glaube manchmal das die Geburtstage der Kinder für mich ein Stressgefühl auslösen, weil sie, nicht nur wegen möglicher Stimmungsexplosionen meiner Kinder, sondern auch für mich selbst emotional sind. Jedes Mal durchlebe ich quasi Schwangerschaft und Geburt nochmal und all das weckt Gefühle. Zudem erhofft man ihnen den gewünschten Tag perfekt zu gestalten. Aber so im Nachhinein – wie unnötig ist Perfektionismus? Von perfekten Glitzertattoos glitzern die Möbel doch nicht in den nächsten Wochen noch und man hat gar nichts von all diesem Glam:)

Gestern hatten wir einen tollen Nachmittag. Glückliche Kinder, helfende Freunde und Zufriedenheit auf allen Seiten.

Und als ich abends entspannt durchgeatmet habe, war ich plötzlich unfassbar glücklich.

Glücklich darüber zwei wilde Kinder zu haben, denen es an nichts mangeln muss und vorallem das sie gesund sind. Sie haben Freunde, bauen Beziehungen zu anderen Menschen auf und wissen wer ihnen gut tut. All das ist nicht immer selbstverständlich und statt uns von Kleinigkeiten stressen zu lassen, sollten wir lieber den Moment genießen, denn 4Jahre wird man nur ein einziges Mal im Leben.

Meine Tochter verteilte eben nochmal eine Extraportion Glitzer auf meinem Arm und sagte „Danke für alles!“.

Das ist es, was tatsächlich zählt!!

Mama

Einatmen, ausatmen! Weiter geht’s!

Noch eben kurz ein Elterntelefonate, schnell noch 25Kopien anfertigen, eine Eintragung vornehmen, eine Diskussion darüber, warum man keine bessere Note bekommt, wenn einem 8Punkte zur nächsten Notenstufe fehlen, Noten für die Stunde aufschreiben,…

Flott zum Kindergarten, was koche ich gleich.. Katzenfutter! Wir haben gar keins mehr und ich wusste, dass wir es nicht wagen durften den Katern keinen Nachschub mit nach Hause zu bringen.

Normalerweise freuen sich die Kinder auf einen kleinen Einkauf. Nicht aber gestern. Gestern spielte Lilly wieder „Ich besitze keine Beine“ und konnte nur noch getragen werden, bis zu dem Moment in dem sie einen kleinen Einkaufswagen haben wollte, ich aber keinen Chip oder einen Euro dafür parat hatte… Ihr merkt die Brisanz der Situation!

Irgendwie habe ich sie überzeugen können wie unglaublich cool so ein Einkaufskorb ist, den sie dann mit vollem Elan an ihrem Arm hin-und her schwang (wirklich gefährlich für andere einkaufende Menschen war es nie, fast nie).

Unsere Katzenfuttersorte war so hoch im Regal platziert, dass ich es nur mit Mühe und Not erreichte. Ich glaube auch jetzt mindestens 2cm länger zu sein.

Meine Mittagessenüberlegungen konnte ich kurzzeitig auch beenden, denn die Kinder rochen Hähnchenschenkel. (Ich bereite ihnen problemlos Fleisch zu, auch wenn ich es nie essen würde, aber Hähnchenschenkel sind ein echtes Problem für mich.) Natürlich kaufte ich ihnen welche und wir wanderten in Richtung Kasse. Seit ich Kinder habe, weiß ich auch warum dieser ganze Süßkramquatsch an der Kasse Quengelware heißt. Unsere nächste Hürde…

Hinter uns eine etwas weiter entfernte Nachbarin die freundlich grüßte. So eine Nachbarin, die immer toll gestylt ist und ein super Make Up trägt. Während Lilly, die wieder keine Beine mehr hatte, mir mitten ins Gesicht nieste, erkundigte sie sich ganz freundlich, ob sie mir helfen könne, da ich ja so eine kranke Maus auf dem Arm hätte.

Rotzig kommt nicht immer von Rotz, manchmal ist es mehr der Trotz.

Als dann die dämliche Papptüte (ja, mal wieder hatte ich meine Einkaufstüten aus dem Kofferraum vergessen) filmreif kurz vor dem Ausgang zerrissen ist und die dämlichen Hähnchenschenkel auch noch aus der wärmenden Alutüte rutschen, spätestens da wusste ich das gestern nicht mein Tag war!

Irgendwie musste ich über den ganzen Mist lachen und so saß ich mit beiden Kindern auf dem Boden und wir lachten! Zusammen sammelten wir alles ein, Lillys Beine funktionieren plötzlich wieder tadellos und wir beschlossen Nudeln zum Mittagessen zu kochen.

In der Situation war ich genervt, gestresst und irgendwie überfordert – mit mir selbst!

Die Vereinbarkeit von mir, dem Beruf, der Mamarolle und all den Dingen drumherum klappt an manchen Tagen überhaupt nicht optimal. Aber ehrlich, Probleme sehen doch anders aus:) Also, durchatmen und weiter geht es.

Irgendwie wäre es ja auch langweilig wenn immer alles einfach klappen würde!