Familie, Leben mit Kindern, Mama

Corona als Chance

Ja, ich gebe zu, meine Überschrift klingt seltsam. Die momentane Situation weltweit ist schwer als Chance zu erkennen. Sie fordert Tote, viele Tote, sie zerstört Existenzen, ist qualvoll, abartig und dabei ganz leise.

Es ist hier auch leise, viel leiser als sonst. Es fahren kaum Autos, alles ist leer, wir arbeiten von zuhause aus, treffen keine Freunde, gehen nicht bummeln und besuchen keine Ausflugsziele. Normalerweise ist das für mich undenkbar, ich bin diejenige die einen Sonntag schon schrecklich findet, an dem man nichts unternimmt und nur „chillt“. Zufriedenheit heißt für mich in Bewegung zu sein, zu erleben, zu sehen, soziale Kontakte zu pflegen.

In den letzten Monaten hatte ich ständig irgendwas. Mal waren es Magenprobleme, dann Schulterschmerzen, dicke Erkältungen, Müdigkeit…Meine Haut war teenagerlike. Alles nicht dramatisch, aber ich war meist ganz schön umgehauen. Das kenne ich von mir gar nicht.

Familienmanagement, Arbeit, Haushalt, Freizeit und viele Gedanken waren immerzu unter einen Hut zu bringen. Das macht oft Freude, fordert aber auch ordentlich. Termine müssen absolviert werden, Zeiten muss man dringend einhalten, der Blick auf die Uhr bestimmt normalerweise das Leben.

Und dann: Stillstand. Von heute auf morgen wird es ganz leise.

Keine Termine, kein Zeitdruck, kein Stau, keine Verabredungen, viel weniger Pflichten. Tatsächlich hatte ich erst ein wenig Angst davor, weil ich es nicht kenne, weil ich dachte das ich es nicht ertragen könnte.

Zwei Wochen später geht es mir gesundheitlich perfekt, meine Haut hat sich erholt und ich kann abends zum ersten Mal seit ich Mama bin einfach noch bis spät in den Abend hinein vor dem Fernseher sitzen und mir Dokumentationen oder auch simplen Trash anschauen, ohne dabei Unterricht vorzubereiten, Essen für den nächsten Tag zu kochen, zu putzen oder aufzuräumen.

Jetzt muss ich allerdings dazu sagen, dass wir aufgrund unserer beruflichen Situation in einer wirklich guten Lage sind, die uns keine Existenzangst beschert, natürlich wäre sonst alles ganz anders!

Mir wird gerade wie nie zuvor bewusst, wie gesegnet ich eigentlich bin. Wir sind gesund, wir haben ein (schönes) Dach über dem Kopf, wir können essen und trinken wann wir wollen, wir müssen keine Angst vor dem nächsten Tag haben und wir haben uns! Mir wird bewusst wie wenig ich eigentlich von all dem ganzen Wahnsinn den ich sonst für notwendig gehalten habe brauche, um zufrieden zu sein.

Die einzige Sache die mir momentan fehlt sind echte soziale Kontakte, aber auch diese werden wir irgendwann wieder haben und sie noch mehr wertschätzen als zuvor.

Versteht ihr nun warum ich Corona als Chance sehe, auch wenn es erstmal seltsam klingt?

Wir fahren alle Systeme runter, besinnen uns auf das was wirklich wichtig ist und starten dann mit den gewonnenen Erkenntnissen neu.

Trotzdem macht mir die Situation Angst, ich will nichts schönen was man nicht schönreden kann. Es geht nur um meine ganze persönliche Situation in meinen vier Wänden und ich bin dankbar, unwahrscheinlich dankbar für das was ich habe!

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Corona, du alte Nervensäge!

Ja, es ist schön wenn wir alle zusammen sein können und eine Zeit ohne Termine tut gut. Die Sonne scheint und die Luft ist frisch wie sonst nie im Ruhrgebiet, aber…

Das kleine Kind kann die Situation ganz gut verpacken. Kuscheln, spielen, tanzen, spazieren gehen und futtern, dann ist die Welt in Ordnung. Der größere Sohn hingegen vermisst seine Freunde. Ihm fehlt die Schule, die gerade frisch erlernten Abläufe und Strukturen dort, die Toberei auf dem Spielplatz und das Kräftemessen beim Sport. Er ist gerne zuhause, aber so langsam habe ich das Gefühl mit ihm in einem Zoo zu sitzen, aus dem wir nicht ausbrechen können.

Als Lehrerin läuft der Schulalltag auf ganz ungewöhnliche Art und Weise weiter, ich hänge ständig am Handy um Mails zu beantworten oder Anrufe entgegen zu nehmen und obwohl ich präsent bin, bin ich in den Momenten nicht verfügbar. Der Papa ist da, sitzt aber in Videokonferenzen und kann dann, obwohl er doch Zuhause ist, nicht toben oder malen oder, oder, oder…

Die Kinder haben verstanden was Corona ist, verstehen aber, genau wie wir nicht, was das alles bedeutet. Was das für uns bedeutet und dies bereitet Sorgen, Ängste.

Gestern habe ich viel gemeckert, viel zu viel. Überall wurde Chaos veranstaltet, gestritten, gebrüllt…

Gestern Abend habe ich darüber nachgedacht und beschlossen das ich meine Erwartungen einfach runterschrauben muss. Wir sind in einer Ausnahmesituation, wir vermissen all die Dinge die uns sonst den Alltag gestalten, wir wissen nicht was in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten geschehen wird und ich bin manchmal überfordert mit Homeputzing, Essenmakeing, Kinderbespaßing, Hausaufgabenüberwaching und meinem neuen HomeOffice, denn ich kenne all das nicht und wie bitte sollen dann unsere Kinder auf den Wahnsinn reagieren.

Ich habe beschlossen das ich den angestrebten „es ist alles super-Perfektionismus“ ablege und schaue, dass wir Ruhe bewahren.

Familie, Kind, Leben mit Kindern, Mama

Und plötzlich ist alles anders…

Und da sitzt du in der Sonne, der Frühling ist plötzlich eingezogen, die Vögel zwitschern und nichts ist mehr wie es immer war.

Alltagswahnsinn, Termine, Aufgaben, Zeitdruck… von heute auf morgen ist das alles irgendwie unwichtig. Nein, nicht unwichtig, aber anders…

Es ist komisch, verdammt komisch den Alltag nicht so zu erleben wie sonst. Sorgen spielen mit, Angst, man muss vernünftig sein, immerzu aufpassen. All diese Dinge kennen wir hier nicht. Mussten wir bisher noch zum Glück nie erleben und sie bereiten nicht nur uns Kopfzerbrechen, auch unsere Kinder erleben diese riesige Veränderung.

Man muss Halt geben, eine Basis bilden und ablenken, ermutigen, erklären, bespaßen, aber dabei selbst zum Beispiel auch arbeitstechnisch präsent sein. Ungewohnt und schwierig, aber solange wir uns an ein paar simple Regeln halten, alles durchaus machbar.

Und ganz ehrlich, und das sage ich nicht nur als Mama, sondern auch als Lehrerin, lasst Pläne manchmal Pläne sein. Kuschelt euch zusammen auf die Couch und guckt gemeinsam einen Film oder futtert im Garten ein paar Süßigkeiten, lasst die Vokabeln oder die Kommasetzung mal in der Ecke liegen, sie sind als Ablenkung spitze und generell immer wichtig, aber gerade zählen durchaus auch ganz andere Sachen.

Wenn wir etwas aus dieser Situation so richtig lernen, dann ist es das wir viel mehr wertschätzen müssen, was wir eigentlich besitzen. Wen wir um uns herum haben und wer für uns da ist. Wie selbstverständlich uns doch unser Leben geworden ist und wie schnell sich alles in Luft auflösen kann sehen wir gerade. Wir müssen auch dringend begreifen, dass ein soziales und wertschätzendes Leben nur funktionieren kann, wenn alle an einem Strang ziehen, wenn man schützt, indem man sich distanziert und das eigene Bedürfnisse einfach mal nicht die wichtigsten sind!

Ich glaube, wenn der ganze Wahnsinn hoffentlich irgendwann ein Ende hat und ich meine Kinder später einmal fragen werde, wie sie die Coronazeit empfunden haben, dann werden sie sagen das es gemütlich war, dass wir viel gekuschelt und gelacht haben, dass wir leckere Sachen gegessen haben und alberne Lieder gesungen haben und das manche Leute verrückt nach Toilettenpapier geworden sind…

Und so soll es sein, so schlimm die ganze Situation auch ist, nehmt den Kindern die Sorgen, wenn ihr könnt!!

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Beschäftigung

Wenn ihr meine letzten Posts gelesen habt, dann wisst ihr das ich geahnt habe was uns in den nächsten Wochen bevorstehen wird.

Es ist eine völlig ungewohnte Situation für die meisten von uns. Normalerweise rast man von einer Aktivität zur nächsten, bringt Kinder, den Job und all die anderen Dinge irgendwie unter einen Hut und meist fehlt einem einfach Zeit.

Genau die haben wir momentan tatsächlich in rauen Mengen. So schlimm ich die Vorkommnisse um uns herum empfinde, umso mehr sehe ich die gewonnene Zeit als tatsächliche Bereicherung an. Und ja, ich will es nicht schmälern, es wird hier Momente geben, in denen ich mir wünschen werde das der Alltag uns ganz schnell wieder hat, aber ich genieße es auch unsere Familie einfach mal komplett bei mir zu haben.

Langeweile ist die erste große Sorge der meisten Eltern und die Not diese Langeweile retten zu wollen?

Warum? Langeweile führt meist zu den kreativsten Gedanken. Lasst doch einfach mal Langeweile aufkommen, mal gucken was passiert…

Ansonsten gibt es so unfassbar viele Sachen die liegen geblieben sind, die man einfach mal gemeinsam erledigen kann.

Wir haben heute geputzt, gefegt, Blätter gesammelt, gesaugt… Die Kinder können doch bei all den Tätigkeiten mitmachen und gemeinsam machen solche Arbeiten auch einfach Spaß.

Vorab hatte ich uns schon mit Bastelutensilien ausgestattet die entweder ganz neue Projekte für die Kinder sind oder aber auch Materialen mit denen sie immer gerne klecksen, kleben und malen.

Wir spielen Spiele, erzählen Geschichten und haben ein riesiges Puppenhaus eingerichtet. Lesen wird geübt und wir kennen nun viele Osterhasengeschichten.

Tatsächlich dürfen die Schulunterlagen in einer Phase ohne Unterricht nicht vergessen werden und auch das läuft, bei uns allerdings nicht nach einem strikten Plan. Wir sind hier schließlich nicht in der Schule und ein 1:1 Unterricht ist nicht vergleichbar mit dem sozialen Gefüge einer Schulklasse. Auch wenn ich selbst Lehrerin bin, bin ich nicht Lehrerin meines Kindes. Wir üben und erledigen Aufgaben. Es gibt allerdings keine Stundentafel oder ähnliches.

Heute haben wir uns einfach mal die Wurzeln eines vertrockneten Baums angesehen, das ist spannender als die Abbildungen eines Biobuchs:)

Wir toben, kochen, backen, kuscheln und quatschen. Wir erzählen uns Geschichten, malen Abenteuergeschichten, flechten Haare und lassen Spielzeugautos fahren. Und wir schauen Filme, surfen im Internet, schauen uns entfernte Destinationen online an und träumen uns auf Reisen. Eigentlich wie immer, nur mit mehr Ruhe.

In den nächsten Tagen werden wir Großen die Steuerunterlagen zusammenstellen, den Keller aufräumen, den begehbaren Kleiderschrank sortieren, Fensterrahmen putzen, die Garage entrümpeln und den Garten frühlingsfrisch machen. Strom-und Gastarifwechsel sind bestimmt auch noch ein Punkt den man von seiner To-do Liste streichen könnte.

Meinen Schulunterricht bereite ich gerade online vor, erstelle Lernvideos und kommuniziere online mit meinen Schülern. Auch das funktioniert alles völlig problemlos. Es ist einfach nur ungewohnt.

Wir müssen keine 24h Dienste stemmen, Berge an Lebensmitteln oder Drogerieartikeln schleppen und einräumen. Wir müssen einfach nur Zuhause abwarten bis der Wahnsinn an uns vorbei zieht, das schaffen wir!

Ich bin mir sicher! Denn so retten wir nicht nur uns, sondern auch alle anderen!

Mama

„Mama, warum gibt es Krieg?“

„Mama? Warum gibt es Krieg?“

Es gibt diese Fragen von Kindern bei denen du deine Worte ganz bedacht wählst, anfängst zu reden, ins Stocken gerätst und einfach keine Antwort hast.

„Die Jungen in der Schule haben heute Krieg gespielt. Sie haben sich geschubst und dann mit Stockpistolen geschossen und dann war im Spiel immer einer verletzt oder auch tot. Das ist doch nicht schön. Gibt es das wirklich?“

Wie erkläre ich einem Erstklässler was Krieg genau ist, wenn ich es im Grunde selbst nicht verstehe und mir die altersentsprechende Wortwahl komplett fehlt?

Ich habe es versucht und erklärt, dass man es Krieg nennt, wenn Länder oder Staaten mit Waffengewalt und dem Einsatz des Militärs ihre Meinung durchsetzen wollen. Krieg kann ganz viel zerstören und wenn man in dem Land lebt, in dem der Krieg ist, dann leiden die Menschen, die dort leben darunter, denn sie erleben dann Gewalt, obwohl sie oft gar nicht daran beteiligt sind. „

„Aber Mama, warum spielt jemand sowas? Das ist ganz, ganz grauenhaft. Wenn man eine andere Meinung hat, dann ist das eben so, dann kann ich doch nicht kämpfen, damit der andere auch so denken muss wie ich?“

Und da hat das sechsjährige Kind so unbeschreiblich viel Empathie und Verstand bewiesen, wie es so verdammt viele Menschen auf der Erde nicht begreifen.