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Maskenpflicht und Schule

Viele von euch wissen von mir, dass ich im Leben außerhalb der Bilder und Buchstaben in der Onlinewelt, normalerweise beruflich etwas ganz anderes mache.

Ich bin Lehrerin und arbeite mit Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren an einer weiterführenden Schule zusammen.

Die Sommerferien sind gerade frisch beendet und Covid 19 noch völlig aktiv. NRW, das Bundesland in dem ich lebe, hat eine Maskenpflicht für alle Schüler ab der 5.Klasse eingeführt.

Vermutlich habt ihr in den letzten Tagen die großen Diskussionen diesbezüglich gar nicht übersehen können. Die Sorge vieler Eltern ist riesig, dass dies zu anstrengend für die Kinder sei, sie nicht lernen können und das ihnen die Freiheit genommen wird.

Ich persönlich trage die gesamte Schulzeit eine Maske, auch wenn es mir erlaubt wäre, sie an meinem Pult hinter einem Spuckschutz abzunehmen, was ich als unfair den Schülern gegenüber empfinde, die dies nicht können und ich auch auf die Sicherheit meiner Schüler bedacht bin. Auch ich habe mir vorab meine Gedanken dazu gemacht und hatte etwas Sorge im Hinblick auf die Umsetzbarkeit solch einer Verordnung.

Die letzte Woche habe ich nur mit meiner eigenen Klasse, einer 6.Klasse verbracht. Unser Klassenraum liegt in der obersten Etage eines alten Gebäudes. Keine Klimaanlage, pralle Sonne und es war heiß, sehr heiß. Ich musste viel reden, organisatorische Dinge klären, hatte im Anschluss Besprechungen (alle mit Maske). Natürlich ist das anstrengend, aber:

Keiner meiner Schüler hat sich beschwert, keiner hat sich unwohl gefühlt, jeder hat den anderen geschützt. Wir sind ein Team, wir passen aufeinander auf und wir wissen nicht, ob einer von uns vielleicht Träger einer Erkrankung sein kann. Die Kinder haben Abstand gehalten, habe alles desinfiziert und mit Ruhe und Gelassenheit vor den Stunden perfekt ihre Hände gewaschen. Ihre Eltern haben ihnen die Situation erklärt, ich habe sie erläutert und sie haben sich selbst Gedanken gemacht.

Natürlich waren die Vormittage wärmer und anstrengender als sonst, aber uns geht es gut. Wir sind gesund! Der Gedanke das dies momentan auch durchaus anders sein könnte, aber auch die Freude darüber wieder gemeinsam in der Schule zu sein, hat uns das bisschen Stoff im Gesicht ziemlich problemlos vergessen lassen.

Ein kurzer Lebensmitteleinkauf im Discounter hat mir mal wieder gezeigt, dass Kinder oft so viel schlauer sind als Erwachsene! Drei Securitymitarbeiter mussten aufpassen, dass die Kunden ihre Mundnasenbedeckung auch für Mund und Nase und nicht nur das Kinn benutzen und deeskalierend agieren, ein Trauerspiel…

Es sind im Grunde so wenige Regeln die uns momentan vor schlimmeren Dingen bewahren, wenn Kinder sich daran halten können, dann sollten Erwachsene das doch auch schaffen.

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So sauer…

Tatsächlich war es jetzt einige, sogar viele Tage sehr ruhig hier. Warum?

Es passiert im Grunde nichts was berichtenswert wäre.

Wir freuen uns über die Zeit miteinander, grillen, gehen spazieren, malen, spielen, manchmal streiten wir auch ein wenig, üben für die Schule… Spektakulär wäre anders, aber genau das tut uns allen tatsächlich gerade ganz gut. Unser eigener kleiner Alltag innerhalb unserer vier Wände lässt uns die momentane Lage ganz gut meistern.

Tatsächlich habe ich allerdings in den letzten Tagen zunehmend Puls bekommen. Begonnen hat dies mit den Aussagen der bekannten Politiker, die im Versuch-Irrtum Verfahren die Kinder in die Schulen schicken wollen, denn die Bildung ist wichtig.

Ich bin Lehrerin. Natürlich empfinde ich Bildung auch als wichtig, enorm wichtig. So geht es vielen anderen Menschen auch, angehört wurden wir aber lange Zeit nicht.

Schüler werden in Schulen gepackt, deren Blütezeit schon lange vorbei ist. Digitalisierung, eine angenehme Lernatmosphäre und eine zeitgemäße Ausstattung sind Fremdwörter in der Welt der Ruhrgebietsschulen, wenn man nicht aus eigener Kasse seinen Klassenraum gestaltet – wobei dann viele Dinge auch nicht erlaubt sind, Sicherheit geht vor. Lehrermangel ist ein großes Problem und der Weg hin zum Lehrer ist sehr oft auch ordentlich steinig.

Inklusion, Integration, individuelle Förderung und interkulturelle Pädagogik sind für die meisten Lehrer, auch unter genannten Bedingungen, inzwischen Alltag geworden, über den sie schon gar nicht mehr berichten, denn das gehört zum Job dazu, auch bei mangelnder Unterstützung von außerhalb. Es gibt unzählige Probleme die wir jeden Tag mit nach Hause nehmen, die sonst niemanden interessieren, gehört halt alles zum Job…Was ok für uns ist!

Aber als ich gestern erfahren habe, dass meine Vermutungen im Hinblick auf die Öffnung der Schulen in NRW tatsächlich richtig waren, bin ich nicht nur sauer, sondern auch wirklich traurig geworden.

Plötzlich ist die Schule für die Gesellschaft so unglaublich wichtig, dass man in Kauf nimmt, dass unsere Kinder, die nun wochenlang von der Außenwelt ferngehalten werden sollten, dort auftauchen sollen. Die Bildung steht von heute auf morgen über dem Gut der Gesundheit? Wenn die Herde immun ist, dann kann man einzelne Verluste problemlos verschmerzen? Das entspricht nicht meinem Denken, indem jeder Einzelne wichtig und wertvoll ist.

Und wenn das jetzt gerade alles so wichtig ist, dann hat man jahrelang darauf verzichtet den Kindern dort angemessene sanitäre Anlagen zu bieten, hat hingenommen das Wasser verseucht war, hat nicht reagiert, wenn viel zu wenig Personal vorhanden war und hat darüber hinweggesehen, dass ganz sicher nicht jeder die gleiche Chancen hat?

Mir geht es nicht um mich, wenn ich hier schimpfe, mir geht es um meine Schüler. Ich möchte sie und ihre Familien schützen, bewahren vor einer Krankheit deren Auswirkungen und Nachwirkungen noch immer niemand von uns kennt, aber was weiß ich schon? Ich bin ja schließlich nur Lehrerin und muss agieren…

Schulen im Hinblick auf eine Notbetreuung weiter zu öffnen macht für mich Sinn, wenn für Sicherheit gesorgt ist. Schulen für Kinder aus schwierigen Verhältnissen zu öffnen ist immer wichtig, wenn für Sicherheit gesorgt ist! Aber Schulen für politische Machtrangeleien zu öffnen ist der Wahnsinn!

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